Ungefähr Gleich

Nürnberger Zeitung:

Die Investition in die Theaterkarte lohnt sich! Mit dem sozial-satirischen Stück ungefähr gleich zeigt sich das Staatstheater von seiner spielerischsten Seite. Ein […] umwerfender und ungemein sympathischer Triumph für das Nürnberger Regie-Debüt von Christian PapkeWann hat man zuletzt eine solch turbulente und temporeiche Inszenierung am Staatstheater gesehen? […] Es ist eine Freude von Anfang bis Ende […] neunzig Minuten lang und ohne einen lastenden Moment der Schwere. Was nicht heißt, das jeder Ernst, jede Nachdenklichkeit außen vor blieben. […] junges, sportliches und freches Theater […] In vielen kleinen und bewegungsreichen Szenen stellt sich heraus, wie die Figuren zueinander stehen, welche Geschichte sie, wie ein fatales Geflecht, verbindet. Beeindruckend, ja bewundernswert, wie straff die Regie dabei ein Teilchen ans andere setzt, wie effektiv sich das wunderbar flexible Ensemble einbringt: gar singend und musizierend, stets und über alle Maßen zum Spaßen aufgelegt. Man staunt immer wieder. Über die fein austarierte Balance zwischen maskuliner Energie und Melancholie bei Taubenheim und Dietz, über die hemmungslos komischen, aber auch zu Herzen gehenden Züge, die Bettina Langehein und gerade Karen Dahmen ihren Figuren geben. […] Den “maximal zu erwartenden Unterhaltungsfaktor”, von dem im Stück pseudo-theoretisch die Rede ist, übertrifft es als reales “Unterhaltungserlebnis” sogar noch. Ein Gewinn in jeder Hinsicht also – und die bislang beste Inszenierung der neuen Spielzeit. Verdiente Bravos. (Nürnberger Zeitung, 15.12.15, Wolf Ebersberger)

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Über das Stück

Im Grenzgebiet zwischen Arm und Reich. Andrej hat nicht nur sein Abitur, sondern auch das Abendcollege als Zweitbester bestanden. Nun hofft er auf eine gute Arbeit mit guter Bezahlung. Doch schon im Jobcenter sieht die Welt ganz anders aus. Schnell wird er zu einer Nummer unter vielen. Martina hingegen ist mit ihrer Arbeit als einfache Verkäuferin unzufrieden. Sie träumt von einem eigenen Bio-Hof und einem Leben als Selbstversorgerin. Auch ihr Freund Mani verliert sich als erfolgloser Wirtschaftswissenschaftler in seinen Tagträumen von den unbegrenzten Möglichkeiten einer ökonomisierten Welt. Freja und Peter sind bereits aus der Gemeinschaft ausgestoßen und reagieren mit unterschiedlichen Strategien von Rebellion bis Unterwerfung. Sie alle scheinen den ungefähr gleichen Traum von einem erfüllten und erfolgreichen (Arbeits-)Leben zu träumen. Aber hinter den Grenzen des Traumlandes droht der Abgrund. In 26 Szenen verbindet Khemiri die unterschiedlichen Erzählstränge zu einem kunstvollen Ganzen, dabei ist sein Blick auf unsere Arbeitswelt bitterböse und witzig zugleich.

Soweit die Info auf www.staatstheater-nuernberg.de

Weitere Kritiken beginnend mit Bayern 2:

Autor Khemiri und Regisseur Papke zeigen in dieser lange Zeit fast heiter servierten Beweglichkeit, der Labilität der Figuren und Situationen, der unsicheren Zu- und Umstände die Fokussierung, die lebensbestimmende Konzentration aller auf “Mamona”, wie es im Stück heißt, das Geld. Und werfen zugleich ganz kurz, wie beiläufig, die wichtige Frage auf, wie tief eigentlich Theater oder auch Armut den berühren darf, der nicht unmittelbar davon betroffen ist. […] Großer Applaus am Ende für eine Produktion, die es in ihrer fast bis zum Schluss beibehaltenen virtuosen Leichtigkeit schafft, jede Art von Sozialkitsch zu vermeiden. (Bayern 2, 14.12.15, Barbara Bogen)

 

Nachtkritik:

[…] trittfest in jeder Pointe […] Dann wird der Schalter plötzlich umgelegt […] Der amüsierte Blick auf den unausgeschlafenen “Traum vom Leben” erlischt, der bestens gelaunte Zuschauer fühlt sich ertappt. […] In Nürnbergs BlueBox wurde die Aufführung bei der Premiere gefeiert, als ob sie tatsächlich die begehrte Unterhaltungsformel gefunden habe. (Nachtkritik, 14.12.15, Dieter Stoll)

 

Nürnberger Nachrichten:

Auf der Bühne, die Thays Runge sinnig als unsicheres Tummelzoo-Gehege mit (Karriere-)Leitern, Wippen, Podesten und Unebenheiten ausgestattet hat, haben sie unendlich viele Möglichkeiten aufzusteigen und abzustürzen. Mit überaus sportlichem Elan und voller Körpereinsatz turnen Thomas L. Dietz, Christian Taubenheim, Bettina Langehein und Karen Dahmen über den Parcours, lustvoll und in fliegendem Wechsel schlüpfen sie in die verschiedenen Rollen und eindeutige Kostüme. Ja, wer am Kapitalismus teilhaben will, muss gut trainiert sein. Da ist viel Action und punktgenau getimte Abwechslung geboten. Gepaart mit sarkastischem Witz sorgt das für beste Theater-Unterhaltung - auch deren Wert wird schließlich formelreich im Stück verhandelt. […] Glück haben immer nur die anderen. Gut, dass Text und Inszenierung das mit dem nötigen Verfremdungseffekt zeigen, statt auf Betroffenheit, Kitsch und Sozialromantik zu setzen. (Nürnberger Nachrichten, 15.12.15, Birgit Nüchterlein)

 

Bayrische Staatszeitung:

Jetzt aber zeigt das Staatstheater Nürnberg, dass sich auch dem […] Zeitgeisttheater sogar komödiantische, ja absurde Seiten abgewinnen lassen, die das Publikum begeistern. Zwar stolpert man über den unaussprech- wie unschreibbaren Titel “~[ungefähr gleich]“, doch dann entpuppt sich das Stück des schwedisch-tunesischen Autors Jonas Hassen Khemiri als eine ebenso intelligente wie phantastische Kapitalismus-Kritik, die nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit irrsinnigem, ins Groteske gesteigertem Aberwitz daherkommt. Und dem setzt im Studio des Nürnberger Schauspielhauses der Regisseur Christian Papke mit einer ebenso einfalls- wie abwechslungsreichen Inszenierung noch die Krone auf, wenn er die 26 Szenen mit ihren angekündigten 177 Rollen von vier Schauspielern mit circensischer Rasanz und halsbrecherischer Akrobatik über die schmale Bühne jagt. […] Begeisterter Beifall. (Bayrische Staatszeitung, 18.12.15, Friedrich J. Bröder)

 

Privater Journalist:

Und bei Regisseur Christian Papke müssen die Spieler schwer schuften, physisch, ja regelrecht athletisch hetzen sie durchs Stück. Denn Papke gibt dem Text jenen Karussell- Schwung, den es braucht, erarbeitet mit Kostümbildnerin Elena Köhler kräftige Bilder, entwirft ein Sinnesrauschen und kombiniert die Einzelszenen blitzsauber zu einem sehenswerten Ganzen. Das ist dann ein sehenswerter Theaterabend ohne große Bedeutungshuberei, aber mit farbechter Ausmalung der gegenwärtigen Lage. (christian-muggenthaler.de)

 

Projektdetails

  • Klient: Staatstheater Nürnberg, 2015
  • Aufgaben: Regie
  • Bühne: Thays Runge
  • Kostüme: Elena Koehler
  • Dramaturgie: Horst Busch
  • Mit: Bettina Langehein (Angestellte beim Getränkemarkt, Silvana, Jobcenterfrau, Die Arbeitgeber, Laura Lorenzo, Martina), Karen Dahmen (Ivan, Bewerbung, Die Arbeitgeber, Martina 2, Freja), Thomas L. Dietz (Mani, Peter, Jobcentermann, Die Arbeitgeber, Kunde 1, 2, 3, Angelika), Christian Taubenheim (Casparus Van Houten, Andrej, Die Arbeitgeber, Karriereberaterin, Pfarrer, Pausenredner)